Beim Durchblättern einer Tageszeitung oder beim Anhören einer Nachrichtensendung im Radio bekommen wir lediglich einen kleinen Bruchteil des langen journalistischen Arbeitsprozesses mit – ein Grund, den Aufbau einer Redaktion besser kennenzulernen.
Arbeitsteilung und Spezialisierung
Bereits im 19. Jahrhundert hat sich der Journalismus – damals ausschließlich im Printbereich angesiedelt – spezialisiert. So bildeten sich nach und nach die einzelnen Ressorts aus. Zu den Kernressorts zählen Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport und Lokales (Zeitgeschehen). Neben diesen Themengebieten kommen zeitungsabhängig weitere Rubriken – wie Wissenschaft, Gesundheit, Auto, Verbraucher oder Medien – dazu. Diese Zusatzressorts entstanden auf Basis der LeserInnenorientierung. Sie sind auf die Bedürfnisse der ZeitungskundInnen ausgerichtet. Hand in Hand mit der Herausbildung der Kernressorts ging die Entstehung von Redaktionen und damit die Arbeitsteilung und Spezialisierung im Journalismus. Dieser Schritt klingt vernünftig: Wären diese Prozesse nicht eingeführt worden, würde jeder Journalist bzw. jede Journalistin für jedes Ressort zuständig sein und nicht nur schreiben, sondern auch noch recherchieren, produzieren, fotografieren, designen und vor Ort berichten – was nicht sehr zielführend wäre.
Hier erfolgt eine Skizzierung des Aufbaus einer typischen Redaktion. Anzumerken ist hierbei, dass dieser Aufbau nicht für jede Redaktion gilt, sondern lediglich ein theoretisches Beispiel darstellt. Je nach Größe der Redaktion und nach der thematischen Ausrichtung des Mediums ist die Zusammensetzung verschieden. Die Skizzierung der Redaktion erfolgt hierarchisch von oben nach unten. Die einzelnen Berufsbezeichnungen werden in männlicher Form angegeben.
Der Chefredakteur als Vertreter der Organisation
Der Chefredakteur ist – einfach gesagt – die Leitungsperson der journalistischen Redaktion. Er leitet die Redaktion und ist ihr Gesicht, als das er auch in der Öffentlichkeit auftritt. Der Chefredakteur ist verantwortlich für die Inhalte des Mediums, für die er auch haftet. Dadurch entscheidet er auch, welche Inhalte veröffentlicht werden und welche nicht. Weitere Aufgabenfelder betreffen die Aufnahme neuer MitarbeiterInnen und die Vertretung der Redaktion nach innen und außen.
Eine hierarchische Stufe unter dem Chefredakteur stehen der Chef vom Dienst (CvD), die einzelnen Ressortleiter und der Art Director.
Der Chef vom Dienst (CvD) als Koordinator zwischen den Abteilungen
Diese Person fungiert als Schnittstelle zwischen den Ressorts und weiteren Abteilungen (z.B. Anzeigen und Administration). Der Chef vom Dienst trägt die Verantwortung dafür, dass aus den Produkten der einzelnen Ressorts am Ende das fertige Gesamtprodukt – beispielsweise die Zeitung oder die Nachrichtensendung – wird. In Zuge dessen beruft er auch die Redaktionskonferenzen ein, in denen die geplanten Themen und ihre Umsetzung besprochen und diskutiert werden.
Der Art Director als kreativer Chef der Redaktion
Der Art Director ist verantwortlich für das äußere Erscheinungsbild des Mediums. Hierbei ist er für die Optik zuständig und setzt die Ideen und Konzepte hinsichtlich Design, Grafik und Typographie gestalterisch um. In der Regel arbeiten Art Directors in einer Gruppe mit Textern und Layoutern zusammen, die für die praktische Umsetzung der Konzeptvorgaben sorgen.
Ihm unterstehen die Bild- und Grafikredaktion und die dort tätigen Layouter, Grafiken, Fotografen und Redakteure.
Die Ressortleiter als Verantwortliche der einzelnen Ressorts
Ressortleiter führen die einzelnen Ressorts an. Sie übernehmen hauptsächlich Managementaufgaben. Beispielsweise delegieren sie Aufgaben im Team, koordinieren die Inhalte und sind die Ansprechpersonen für den Chef vom Dienst und den Chefredakteur. Mit dem Chefredakteur stimmen sie die Themenplanung und -umsetzung ab. Eine weitere Aufgabe ist das Redigieren – also das Korrekturlesen der einzelnen Artikel im Ressort. Ab und zu sind sie auch selbst als Redakteure tätig und schreiben eigene Artikel.
Die Ressortleiter sind die direkten Vorgesetzten der Redakteure und Korrespondenten.
Die Redakteure als journalistische Allrounder
Das Aufgabenfeld der Redakteure ist sehr umfangreich. Sie recherchieren zu bestehenden Themen, selektieren das gesammelte Material, prüfen den Wahrheitsgehalt des Materials und schreiben auf Basis dieser journalistische Beiträge – also Berichte, Reportagen, Dokumentationen, Kommentare und viele mehr. Außerdem stehen sie laufend in Kontakt mit dem Publikum – insbesondere via Social Media. Auch das Durchführen von Interviews und Umfragen – wenn nicht von zusätzlichen Stellen übernommen – zählt zu ihren Aufgabenfeldern.
Die Korrespondenten als Reporter in der Ferne
Sie sind für ihre Expertise bekannt und sorgen durch ihre Berichterstattung vor Ort für Transparenz und eine lebensnahe Schilderung der Geschehnisse. Oft sind Korrespondenten im Ausland tätig und werden – beispielsweise in einer Nachrichtensendung – via Videos ins Studio geschaltet. Durch seine Berichterstattung aus Moskau im Rahmen des russischen Überfalls auf die Ukraine erlangte der ORF-Korrespondent Paul Krisai große Beliebtheit.
Die freien Mitarbeiter als wichtige Unterstützer des Kernteams
Diese journalistischen Mitarbeiter sind – im Gegensatz zu den vorherigen Positionen – nicht fest angestellt. Ihre Bezahlung folgt meist auf Honorarbasis. Zu den freien Mitarbeitern zählen freie Journalisten, Fotografen und Grafiker. Sie werden je nach Thema und Ereignislage in unterschiedlichem Ausmaß eingesetzt.
Fazit: Ein Journalist ist nicht einfach nur ein Journalist. Vielmehr arbeitet er in unterschiedlichen Rollen und Positionen. Den Einstieg in ein journalistisches Arbeitsfeld beginnt man üblicherweise als Praktikant – auch Volontär genannt. Von dort ausgehend arbeitet man sich auf der Karriereleiter und der redaktionellen Hierarchie nach oben (z.B. Volontär -> Redakteur -> Ressortleiter -> Chef vom Dienst -> Chefredakteur).

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