Musik ist da, wenn wir traurig sind, beim Feiern, beim Autofahren oder auch beim Lernen – sie ist einfach ein Begleiter in allen Lebenslagen. Auch in diesem schwierigen Jahr haben uns unsere Lieblingslieder motiviert, unterstützt und getröstet. Welche musikalischen Trends uns begeistert haben und welche Lieder in Dauerschleife gehört wurden, wird in diesem Beitrag geklärt. Hier ist ein kompakter Überblick über die erfolgreichsten 10 Songs dieses Jahres in den österreichischen Charts.
Zahlen, Fakten und Rekorde
2023 waren insgesamt 294 Lieder in den 51 Wertungen der Top 40 platziert. Durchschnittlich sind jede Woche 4 bis 5 neue Songs eingestiegen.
Der Song mit den meisten Wertungswochen in diesem Jahr war „Another Love“ von Tom Odell. Der über 10 Jahre alte Hit war in 48 von 51 Chartwertungen vertreten. Besonders herausstechend ist die unglaubliche Verweildauer des Liedes in den Top 75: fast 160 Wochen in den Charts – mehr als jeder andere Song.
„Komet“, der Jahrhundert-Hit von Udo Lindenberg und Apache 207 stellte 2023 einige Rekorde auf. So war der Beitrag mit 34 Wochen länger als jeder andere Song in diesem Jahr in den Top 10. Allein 26mal war er unter den besten 3. Auch dies gelang keinem anderen Act in diesem Jahr.
Viele Nummer-1-Hits
Außergewöhnlich in diesem Chartjahr war die Vielzahl an Nummer-1-Hits. 22 Songs schafften es 2023 an die Spitze der österreichischen Charts. Zum Vergleich: 2022 waren es nur 13 Lieder. Erklären lässt sich dies mit dem Phänomen „Deutschrap“. Songs dieser Musikrichtung neigen dazu, sich innerhalb einer Woche sehr oft zu kaufen. Damit erreichen sie – in diesem Jahr 13 Songs – Platz 1. Der Trend lässt allerdings sehr schnell nach, woraufhin sie nach nur einer Woche wieder vom Thron purzeln. Dadurch gibt es viele Lieder mit wenigen Nummer-1-Wochen in diesem Jahr.
Der Interpret mit den meisten Liedern auf Platz 1 in war RAF Camora. 7 Songs des österreichischen Rappers erreichten in den letzten 12 Monaten Platz 1. Am längsten am Chartthron saß Miley Cyrus‘ Hit „Flowers“. Der Song stand von Jänner bis April ganze 11 Wochen lang ganz oben.
Viele Deutschrap-Songs
In den Top 10 der heurigen Jahrescharts sind 4 Deutschrap-Lieder platziert – mehr als jemals zuvor! In einigen Chartwertungen waren die Top 5 komplett in der Hand des umstrittenen Genres. Einen wesentlichen Beitrag zum heurigen Erfolg des deutschen Raps leistete RAF Camora, der heuer mit 12 Liedern eingestiegen ist. Aber auch seine KollegInnen Luciano, Bonez MC, Apache 207, Makko und Nina Chuba vertraten den Musikstil gut. Der Deutschrap wandelte sich in den letzten Monaten sehr – hin zu einer Mischung aus Rap und EDM bzw. Rave, was Ski Aggu und Yung Yury gut umsetzen.
Viele Weihnachtssongs
Einen beeindruckenden Höhepunkt erreichten die Lieder Anfang Jänner, im Durchrechnungszeitraum rund um Weihnachten. Die erste Chartwertung von 2023 zählte 35 Weihnachtslieder in den Top 40. In dieser Ausgabe waren die Plätze 1 bis 25 ausschließlich von Liedern dieser Art belegt. Dieser Trend könnte sich in der nächsten Woche sogar noch steigern. Die Weihnachtssongs waren in diesem Jahr insgesamt 5 Wochen auf Rang 1 vertreten (3mal Wham! und 2mal Mariah Carey). Im Jahrescountdown sind „Last Christmas“ und „All I Want For Christmas Is You“ auf den Plätzen 72 und 74.
Viele ältere Songs
Mit „Another Love“ von Tom Odell (2013), „Can’t Hold Us“ von Macklemore (2013), „Mockingbird“ von Eminem (2005) und „Sarà perché ti amo“ von Ricchi e Poveri (1981) sind 4 zwischen 10 und 42 Jahre alte Lieder in den Top 40 der Jahrescharts vertreten.
Womit lässt sich die Renaissance dieser Kultsongs erklären? Ein Faktor für den Erfolg sind Konzerte der KünstlerInnen. So spielte Macklemore seinen Kultsong Ende April beim Konzert in der Wiener Stadthalle und verlieh ihm dadurch erneute Popularität. Der Hauptgrund für den erneuten Ruhm und den zweiten Frühling der älteren Songs ist aber Social Media: Auf Instagram, TikTok und YouTube entstehen Trends und Challenges, die stets mit Musik verbunden sind. So wurde der 80er-Klassiker von Ricchi e Poveri auf TikTok enorm gehypt und entwickelte sich zur Fanhymne des AC Milan. Dadurch wurde der Song nach 40 Jahren wieder zum Hit. Der erneute Erfolg von „Another Love“ wird gesondert erklärt – in den Top 10 der Jahrescharts.
Platz 10: Rema – „Calm Down“
Berühmt wurde der nigerianische Sänger als der ehemalige US-Präsident Obama Remas Musik in seiner Playlist veröffentlichte. Daraufhin wurde der Hype um die Musik des 23-Jährigen zunehmend größer. Mit seinem Genre „Afrobeat“ schuf Rema einen unverkennbaren Sound und wurde mit „Calm Down“ zum Dauergast in den Charts – nicht zuletzt auch durch seine Version des Hits mit Selena Gomez. Der Song war von Jänner bis August 33 Wochen lang unter den Top 40 und 4mal in den besten 10. Dabei erreichte er im Frühling sogar Platz 7.
Platz 9: David Kushner – „Daylight“
„Daylight“ handelt von einer toxischen Beziehung, in der zwei Personen trotz der negativen Konsequenzen voneinander abhängig sind. Der 23-jährige Sänger und Songwriter aus Chicago wurde durch TikTok bekannt und sorgte im Frühling für einen Überraschungshit. Angefangen hat seine musikalische Laufbahn, als er sich im Teenageralter das Gitarrespielen autodidaktisch aneignete und eigene Songs schrieb. Kushners Markenzeichen ist seine tiefe, raue Stimme, mit der er seinen Hit performt. „Daylight“ hielt sich 32 Wochen in den Top 40 (von April bis November) – davon 12 in den Top 10 – und war auf Rang 2.
Platz 8: Eminem – „Mockingbird“
Mit über 30 Liedern kam der erfolgreichste Rapper in der Geschichte der Musik in die österreichischen Charts. Mehrmals erreichte er dabei Platz 1. „Mockingbird“, ein Song aus dem Jahr 2005, kehrte Ende des vergangenen Jahres dank TikTok wieder in die Charts zurück. Seine Single, die Eminem für seine Töchter schrieb, war heuer 29mal in den Top 40 platziert (von Jänner bis Juli), 8mal in den Top 10. Dank der Interpretation durch Emma bei „The Voice Kids“ erreichte „Mockingbird“ im April sogar Rang 3. Somit wurde Eminems Lied nach fast 20 Jahren zum Hit und legte einen weiteren Meilenstein in der langen Charthistorie des erfolgreichsten Rappers.
Platz 7: Nina Chuba – „Wildberry Lillet“
Dass Deutschrap keinesfalls eine reine Männerdomäne ist, beweist die 25-jährige Nina Chuba, die mit einer eingängige Melodie und frechen, coolen Lyrics einen Hit schuf, der 2022 sogar den Ballermann-Hit „Layla“ vom Chartthron schubste. Ihre Karriere begann die deutsche Rapperin und Sängern als Nachwuchsschauspielerin. Daraufhin stieg sie in die Musikbranche ein und wurde Sängerin einer Band – allerdings ohne Erfolg. Durch Social Media wurde „Wildberry Lillet“ zum Hit im deutschsprachigen Raum. 36 Wochen blieb der Song in den besten 40 (von Jänner bis Oktober) und war 13mal in den Top 10 vertreten. 2022 war Nina Chuba mehrmals auf Platz 1, in diesem Jahr war der 3. Rang ihre höchste Position.
Platz 6: Luca-Dante Spadafora, Niklas Dee & Octavian – „Mädchen auf dem Pferd“
Als die beiden DJs Luca und Niklas einen Song aus dem Film „Bibi & Tina“ coverten, ahnten sie nicht, dass sie damit den Sommerhit den Jahres produzieren würden. Gemeinsam mit dem Sänger Octavian gelang ihnen der Sprung auf Platz 1 der deutschen und österreichischen Singlecharts. Ihr Techno-Hit war den gesamten August und September 9 Wochen an der Chartspitze. Eine höhere Platzierung in den Jahrescharts geht sich aufgrund des relativ späten Einstiegs nicht aus. Der Song war erstmals im Juli platziert und bis Dezember durchgängig in den Top 40 – 24 Wochen lang. 19mal war der Sommerhit des Jahres unter den besten 10 vertreten. Wäre „Das Mädchen auf dem Pferd“ bereits im Frühling eingestiegen, hätte es möglicherweise sogar für die Top 5 der Jahrescharts gereicht.
Platz 5: Tom Odell – „Another Love“
Laut der ewigen Chartliste von austriancharts.at ist Tom Odells melancholische Single der erfolgreichste Song aller Zeiten – kein Wunder mit über 150 Wertungswochen! Dabei war „Another Love“ in den Jahren 2013 bis 2014 „nur“ ein halbes Jahr in den Charts platziert. Durch den Krieg in der Ukraine erlangte „Another Love“ als Friedenssong erneut große Popularität, als sein Song im Februar 2022 erneut einstieg und bis einschließlich Dezember 2023 in den Top 40 verweilte. Allein in diesem Jahr war Tom Odells Megahit 48 Wochen platziert – davon 14 in den Top 10. Erreicht hatte „Another Love“ dieses Jahr Platz 5 als höchste Position.
Platz 4: David Guetta & Bebe Rexha – „I’m Good (Blue)“
David Guettas Coverversion des 90er-Jahre-Hits „Blue (Da Ba Dee)“ von Eiffel 65 stürmte bereits 2022 weltweit die Charts. In Österreich gab es im letzten Jahr allerdings nur Silber. Das änderte sich Anfang 2023, als „I’m Good“ nach dem Ausscheiden der Christmas-Songs die Initiative ergriff und eine Woche auf Platz 1 stand. Damit konnte David Guetta nach einer langen Chartpause seine 5. Nummer-1-Platzierung feiern. Ganze 35 Wochen hielt sich der Partyhit in den Top 40 (bis Ende August), 18 Wochen in den Top 10. In anderen Ländern war der Erfolg von Guettas Single noch größer: In der Schweiz beispielsweise hielt sich „I’m Good“ 12 Wochen lang an der Chartspitze fest. Der französische DJ ist in Österreich 2mal in den Jahrescharts vertreten: „Baby Don’t Hurt Me“ holt sich Rang 27.
Platz 3: Miksu, Macloud & Makko – „Nachts wach“
Der Cloud-Rap-Hit der Produzenten Miksu und Macloud und des Berliner Rappers Makko steht nun seit mehr als 70 Wochen in den österreichischen Singlecharts. Lediglich 4mal ging sich eine Top-40-Platzierung nicht aus – kein Wunder also, dass „Nachts wach“ einen Stockerlplatz im Jahrescountdown ergattert. Seine Ausbildung zum Ergotherapeuten brach der Rapper mit der markanten Zahnlücke zugunsten der Musik ab – klingt unvernünftig, war aber die richtige Entscheidung für seinen Erfolg. 2022 war der Song 3 Wochen lang auf Platz 1, 2023 war Platz 5 die höchste Position. 47mal war „Nachts wach“ unter den Top 40 (von Jänner bis November) – davon 17 Wochen in den besten 10. Reife Leistung und ein verdienter 3. Platz!
Platz 2: Udo Lindenberg & Apache 207 – „Komet“
Seit ihrem Einstieg im Februar ist das ungewöhnliche Musiker-Duo Dauergast in den Top 40. 47 Wochen war der Song unter den Top 40 vertreten – darunter 34 in der besten 10. Dies ist jedoch kein Vergleich zur ihrem kometenartigen Erfolg in Deutschland: Dort stand der Song 21mal auf Rang 1 – mehr als jeder andere Titel zuvor! „Komet“ kann somit zurecht als der erfolgreichste Beitrag in der deutschen Chartgeschichte tituliert werden. Während Udo Lindenberg und Apache 207 auf Platz 1 der deutschen Jahreshitparade stehen, müssen sie sich in Österreich einer Künstlerin geschlagen geben.
Platz 1: Miley Cyrus – „Flowers“
Mit ihrem Breakup-Song kreierte Miley die Hymne für die Alleinstehenden und schuf bereits im Jänner den erfolgreichsten Song 2023 weltweit. Ihre Abrechnung mit Exmann Liam Hemsworth war in den globalen Charts 24mal auf Rang 1, in Bulgarien 18, in Belgien und Dänemark 16 Wochen. Mit 11 Chartwochen auf Platz 1 war „Flowers“ länger am österreichischen Chartthron als jeder andere Song in diesem Jahr. Mit 44 Wochen in den Top 40 (bis November) und 27 in den Top 10 ist Miley Cyrus den beiden Musikern Udo Lindenberg und Apache 207 deutlich unterlegen, kann sich aber aufgrund der vielen Nummer-1-Platzierungen trotzdem durchsetzen. „Flowers“ ist der meistverkaufte, meistgedownloadete und meistgestreamte Song des Jahres. Gratulation!
Hier findet ihr die komplette Chartwertung: https://oe3.orf.at/charts/stories/3020713

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