Mit dem Auftritt auf den sozialen Netzwerken, dem plattformenübergreifenden Geschichtenerzählen und dem Einsatz von VR-Brillen haben wir bereits einige sehr moderne und innovative Trends im Journalismus kennengelernt. Heute werden 3 weitere Innovationen beschrieben, die die JournalistInnen entlasten und das Publikum an sich binden sollen.
Trend 4: Datenjournalismus
Das Arbeiten mit Daten ist keine Neuheit im Journalismus. Immerhin benötigt man eine Schreibgrundlage zum Verfassen seiner Berichte. Jedoch zu beachten ist, dass das Arbeiten mit Daten nicht zwangsweise „Datenjournalismus“ bedeutet. Das innovative Arbeitsfeld geht nämlich einen Schritt weiter und tiefer. Anders als im herkömmlichen Journalismus arbeitet der datengestützte Journalismus ausschließlich mit Daten.
Der Prozess bis zu den fertigen Daten ist lange: Er beginnt mit der Formulierung einer Fragestellung. So soll beispielsweise das durchschnittliche Monatsgehalt der ÖsterreicherInnen – nach Bundesländern aufgeschlüsselt – dargestellt werden. Anschließend werden die notwendigen Daten beschafft. Entweder greift der Journalist bzw. die Journalistin auf bereits vorhandene Daten (z.B. aus amtlichen Statistiken) zurück oder er/sie sammelt diese selbst (z.B. durch Fragebögen). Anschließend werden die gesammelten Daten zusammengeführt (z.B. in einer Excel-Tabelle) und in ein Format gebracht, in dem sie ausgewertet und letztlich dargestellt werden können – in Form von Tabellen oder Grafiken eingebettet in einem Bericht. Hierbei ist der Fantasie der JournalistInnen keine Grenzen gesetzt. Für die Grafiken gilt: Sie sollen leicht verständlich und im besten Fall interaktiv sein – also das Publikum miteinbeziehen. Im Idealfall wird sogar der Datensatz der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt. Diese Transparenz wird im herkömmlichen Journalismus nicht gewährleistet und ist neben dem starken Datenbezug ein weiteres Unterscheidungsmerkmal zum Datenjournalismus.
Der Bayerische Rundfunk (BR) ist ein Vorreiter, was den Datenjournalismus im deutschsprachigen Raum angeht. BR Data ist ein datenjournalistisches Team des Mediums und erzeugt hochinteressante Datenauswertungen und -darstellungen – wie beispielsweise einen interaktiven CO2-Rechner: https://www.br.de/extra/br-data/index.html
Trend 5: Crossmedialität
Dieser sehr komplizierte klingende Fachbegriff bedeutet nichts anders als die Konzentration von Medienunternehmen auf verschiedene Veröffentlichungskanäle. Vor 30 Jahren publizierte die Kleine Zeitung ihre Nachrichten nur im Zeitungsformat, Ö3 spielte ihre Informationen nur über das Radio aus und die „Zeit im Bild“ war lediglich mit einem TV-Gerät empfangbar. Wie sich die Zeiten ändern! Um mit der Zeit zu gehen, sind Medien fast schon gezwungen, ihre Ausspielmöglichkeiten zu vergrößern. Sämtliche Mediengattungen – egal ob Print, Radio oder TV – haben einen Online-Auftritt und somit ihr Ausspielspektrum vergrößert. Ein Fokus liegt am Online-Markt, der sich wiederum in die Teilmärkte „Social Media“, „Mobile Media“ und „Website“ aufteilt. (Fast) jedes journalistische Medium legt viel Wert auf einen gelungenen Social-Media-Auftritt.
Dazu kommt, dass einige Unternehmen im journalistischen Bereich sogar auf Tri- bzw. Multimedialität setzen, d.h. 3 oder mehr Kanäle verwenden. Ein renommiertes österreichisches Beispiel hierfür ist die Tageszeitung „Kurier“, die am Print-, TV- und Online-Markt tätig ist – gleich wie das Boulevard-Medium „Österreich“. Der Medienkonzern „ORF“ konzentriert sich auf Radio, TV und Online. Diese crossmediale Ausrichtung ist eine Reaktion auf die starke Konkurrenzsituation in den einzelnen Märkten. So hat beispielsweise der „Kurier“ Mitbewerber mit hohem Auflagen (z.B. „Kronenzeitung“, „Standard“). Als logische Folge daraus sammelt das Medium auch im TV- und Online-Markt sein Publikum.
Hier ein Bericht des ORF über seine crossmediale Ausrichtung und die Reichweiten der einzelnen Kanäle: www.der.orf.at/public-value/orf-nutzung102.html
Trend 6: Künstliche Intelligenz (KI)
Jede Person mit einem Sprachassistenten in der Wohnung steht bereits in Kontakt mit einer KI. Eine allgemeingültige Definition der Künstlichen Intelligenz gibt es noch nicht. Vielmehr werden unter dem Begriff verschiedene Technologien zusammengefasst, die menschliche Fähigkeiten imitieren. Die Einsatzgebiete der KI in der Musikindustrie wurden bereits vor einem Monat vorgestellt. So verdanken zum Beispiel die Beatles den hochmodernen Technologien ihren erneuten Erfolg und ihren Nummer-1-Hit „Now And Then“.
Die wegweisende Entwicklung hat enormen Einfluss auf den journalistischen Alltag. So wird die KI für die Recherche, Erstellung von Inhalten und die Verbreitung von Nachrichten verwendet. Bei der Recherche kann die Technologie Fakten überprüfen, Themen sortieren, Fake-News entlarven und auch NutzerInnen-Daten auswerten. Künstliche Intelligenz ist auch in der Lage, einfache und standardisierte Texte (z.B. Wetter- oder Sportberichte) zu erstellen. Sogenannte Quake-Bots schreiben automatisierte Meldungen über Erdbeben. Auch in der Verbreitung von Inhalten ist die KI essenziell. Die Technologie kann Inhalte und Nachrichten per Sprachassistent ins Wohnzimmer bringen. Der deutsche Sender „N-TV“ setzt zukünftig auf den Einsatz von Sprachsteuerung und -erkennung und will sich im Smart-Home-Bereich positionieren.
RTL arbeitet zurzeit an einer Technologie, die Text in Sprache umwandeln soll. Ihren Einsatzbereich bekommt die KI beim Vorlesen von Online-Nachrichtenmeldungen: www.rtl.de/cms/lassen-sie-sich-ihre-internetnachrichten-doch-einfach-vorlesen-4953296.html
Die beschriebenen 6 Trends sind wegweisend für die Zukunft des Journalismus, der im deutschsprachigen Raum noch deutlich hinter anderen Ländern hinterherhinkt. Insbesondere beim Einsatz von Virtual Reality und Künstlicher Intelligenz ist noch reichlich Platz für Verbesserungen. Was bei allen positiven Aspekten der Innovationen niemals außer Acht gelassen werden darf, sind die Gefahren und Probleme bei der Nutzung. Dies gilt vor allem für einen verantwortungsvollen Umfang mit Künstlicher Intelligenz.
Der nächste Beitrag taucht mehr in die Praxis ein und nimmt den typischen Alltag einer journalistischen Redaktion in den Blick. Schon jetzt – ein frohes Weihnachtsfest!

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