Mit der zunehmenden Digitalisierung geht auch der Journalismus neue Wege und ändert seine Ausspielungsstrategien drastisch. Dabei reagiert er lediglich auf das veränderte NutzerInnenverhalten. Denn klar ist: Der Trend geht klar zu Online-Medien, Streaming-Diensten und neuen Technologien. Der Artikel gibt einen Überblick über 3 von 6 wegweisenden Trends im Journalismus, die die Berichterstattung revolutionieren.
Digital statt analog
Die Leidtragenden der Digitalisierung sind hauptsächlich die Printmedien. Heimische Zeitungen, wie die Kronenzeitung oder die Kleine Zeitung, haben mit einem starken Rückgang der Auflagen zu kämpfen. Von 2015 bis 2022 ist die Auflage der Tageszeitungen in Österreich von 1,64 auf 1,39 Mio. Exemplare zurückgegangen (-15%) – und dieser Trend wird sich vermutlich in den nächsten Jahren fortsetzen. Die gravierenden Folgen dieser Entwicklung liegen auf der Hand: Personaleinsparungen, Preiserhöhungen, zunehmende Finanzierung durch Werbung und langfristig ein starker Qualitätsverlust der journalistischen Berichterstattung.
Doch Medienunternehmen ergreifen Maßnahmen gegen den drastischen Trend und „flüchten“ zunehmend in die digitale Welt. Welche neuartigen Technologien und Online-Trends die Rettung sein könnten?
Trend 1: Social-Media-Journalismus
Bitte nicht schrecken: Rund 5,2 Stunden verbringt der/die DurchschnittsösterreicherIn pro Tag im Internet. Je älter eine Person ist, umso eher nutzt sie Offline-Medien – also TV, Radio oder Printprodukte. Im Umkehrschluss spricht das für eine sehr intensive Nutzung von Online-Medien bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Interessanterweise steigt mit dem Alter auch das Interesse einer Person für die klassischen TV-Nachrichten an. Um jüngeren Generationen Nachrichten und Informationen schmackhaft zu machen, müssen Medien mit der Zeit gehen und diese über Social Media an die Zielgruppe bringen.
Das Geschäftsmodell funktioniert tatsächlich: der Instagram-Account von „Zeit im Bild“ hat über 1 Mio. Follower, d.h. jede 9. Person in Österreich scheint sich – aktiv oder passiv – über Social Media über die tagesaktuellen News zu informieren. Um Massen von Menschen anzusprechen, kommen Medienunternehmen nicht drum herum, auf zahlreichen sozialen Netzwerken aktiv zu sein. Die NutzerInnen bis 25 Jahren können gut auf TikTok oder Instagram erreicht werden, die etwas Älteren sind tendenziell stärker auf Facebook vertreten. Social Media eignet sich als Wunderwaffe des modernen Journalismus nicht nur zur Verbreitung von Nachrichten. Die vielen Interaktionsmöglichkeiten sorgen auch dafür, dass NutzerInnen in Kontakt mit den Medienunternehmen treten können – zum Beispiel durch das Kommentieren, Liken (Bewerten) und Teilen von Beiträgen oder durch die Chatfunktion.
Der Instagram-Account von „Zeit im Bild“ zeigt die Möglichkeit, die sozialen Netzwerke für die Nachrichtenverbreitung und das Erreichen einer jungen Zielgruppe zu nutzen: www.instagram.com/zeitimbild/?hl=de
Trend 2: Multimediales Storytelling
Storytelling ist ein oft eingesetztes Stilmittel im Journalismus, um Fakten in Form einer Geschichte zu erzählen. Der Mehrwert ist immens: Fakten werden dadurch 22mal besser aufgenommen und bleiben länger im Gedächtnis. So effektiv das Geschichtenerzählen auch sein mag – so vieles kann man hierbei auch falsch machen und den gegenteiligen Effekt erzielen.
Packende Inhalte (in Textform) reichen für eine emotionale Story heute nicht mehr aus. Der moderne Journalismus setzt auf eine sogenannte Multimedialität, d.h. er erzählt eine Geschichte durch die geschickte Kombination aus mehreren Elementen – Bilder kombiniert mit Videos, ergänzt durch packende Audios und verfeinert mit Grafiken – und ja, Texte sind auch erlaubt. Der journalistischen Kreativität sind dabei keine Grenzen gesetzt. Die „New York Times“ statuierte bereits 2012 ein Exempel in puncto Storytelling. Sie verfasste eine hoch emotionale Reportage über ein Lawinenunglück, das 16 Ski- und Snowboard-FahrerInnen gefährdete und einige in den Tod riss. Die multimediale Story ist ein Meilenstein des journalistischen Geschichtenerzählens – aber wieso? Durch die Komposition aus Audio-Interviews der Betroffenen, Bildern des Unglückortes, einer spannenden Ausdrucksweise der ReporterInnen und weiteren Bestandteilen wurde „Snowfall“ zu einem Gesamtkunstwerk der journalistischen Geschichte.
Link zur Multimedia-Reportage „Snow Fall“: www.nytimes.com/projects/2012/snow-fall/index.html#/?part=tunnel-creek
Trend 3: Virtual Reality
Als Virtual Reality (VR) bezeichnet man eine umfassende Simulation, die nicht mehr von der Realität unterscheidbar ist. Ziel der Technologie ist es, die NutzerInnen komplett von der echten Welt abzuschotten und sie in eine virtuelle Welt eintauchen zu lassen. So lässt die VR-Technik zu, dass NutzerInnen, die sich gerade in einem Gebäude befinden, in eine virtuelle Welt eintauchen, in der sie möglicherweise Drachen sehen und hören, oder zurück ins Mittelalter versetzt werden. Was sie für ihre „Reise“ benötigen, ist nur eine VR-Brille und ein Headset. Die Technologie ist einfach zu erklären: Die Interessierten setzten die Brille auf und nehmen die virtuelle Welt wahr, welche am Display angezeigt wird. Die reale Welt wird somit visuell komplett ausgeblendet.
Virtual Reality wird im Journalismus eingesetzt, um die Geschichte nicht nur zu lesen, sondern um in die Geschichte einzutauchen und sie hautnah mitzuerleben. Die VR-Technologie ermöglicht den NutzerInnen sogar eine Interaktion mit den ProtagonistInnen der Story. Sie haben die volle Kontrolle darüber, wohin sie in der virtuellen Welt gehen und schauen wollen. Eines von wenigen Beispielen für den Einsatz von VR im Journalismus kommt aus der Ideenfabrik des „Wall Street Journals“, welches das Auf und Ab eines Börsenkurses anhand einer „hautnahen“ VR-Achterbahnfahrt simulierte.
Ohne VR-Brille zwar nicht sehr spektakulär, aber ein kleiner illustrativer Einblick (Video im Beitrag): www.journalism.co.uk/news/wsj-viscerally-emulate-nasdaq-highs-and-lows-with-virtual-reality/s2/a564941/
Die ersten beiden Trends sind sehr wohl in der heutigen journalistischen Praxis Standard und wertvolle Mittel für das Erreichen einer großen Zielgruppe und für eine spannende Berichterstattung. Gerade die VR-Technologie hat ein immenses Potential für bahnbrechende Entwicklungen in puncto Storytelling. Leider ist die Etablierung dieser Technologie im deutschsprachigen Raum noch ausständig und wird vermutlich noch einige Jahre in Anspruch nehmen, bis sie großen Zuspruch findet.
Im nächsten Journalismus-Beitrag knüpfen wir an die Trends an und diskutieren 3 weitere Revoluzzer des Journalismus.

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