Bericht. Alle Jahre wieder erscheinen Wham!, Mariah Carey, Shakin‘ Stevens und andere längst vergessene KünstlerInnen mit ihren Beiträgen zum Weihnachtsfest in den heimischen Charts – und nehmen dadurch in wenigen Wochen Millionen ein. Was macht diese Songs so erfolgreich? Hier sind 5 Faktoren für ihre Popularität in der Vorweihnachtszeit.
Ein Erfolg, der von Jahr zu Jahr zunimmt
Der Hype um die Weihnachtslieder ist kein Jahrzehnte langes Phänomen. Erst mit der Berücksichtigung der Musik-Streams in den Single-Charts wurden „Last Christmas“, „All I Want For Christmas Is You“ & Co. erst richtig populär.
Seit 2017 steigt die Anzahl der Christmas-Hits in den österreichischen Charts ständig an – wie die folgende Grafik zeigt:
| Jahr | Höchstanzahl an Weihnachtssongs in den Top 40 | Anteil in Prozent |
| 2017 | 9 | 22,5 |
| 2018 | 14 | 35 |
| 2019 | 20 | 50 |
| 2020 | 20 | 50 |
| 2021 | 25 | 62,5 |
| 2022 | 31 | 77,5 |
| 2023 | 35 | 87,5 |
Insbesondere in den letzten 3 Jahren ist der Hype um die Christmassongs auf ein Rekordhoch gestiegen. Anfang Jänner 2023 waren 35 Weihnachtslieder in den Top 40 – darunter auf den Rängen 1 bis 25.
Erkennbar ist auch ein zunehmend früherer Charteintritt dieser Songs in den Charts. In den letzten Jahren sind die ersten VertreterInnen in der letzten November- bzw. in der ersten Dezemberwoche eingestiegen. Heuer sind mit Mariah Carey und Wham! bereits Mitte November die ersten WeihnachtssängerInnen in den Charts. Dementsprechend wird die Saison der Christmas-Hits zunehmend länger – und reicht dieses Jahr wohl von Mitte November bis Anfang Jänner – 7 Wochen lang.
Durch ihre jährliche Rückkehr sammeln die Songs auch viele Wertungswochen in den Charts. „Last Christmas“ (Wham!) und „Wonderful Dream“ (Melanie Thornton) haben in den letzten Jahrzehnten über 100 Wochen in den österreichischen Single-Charts verbracht – das entspricht einer Verweildauer von fast 2 Jahren!
DIE Weihnachtssongs schlechthin sind – wie sollte es sonst auch sein? – die Klassiker von Wham! und Mariah Carey. Jedes Jahr führen sie nicht nur die Rangliste der Christmassongs, sondern auch die Charts per se an. Ihre Chartbilanz zeigt seit 2018 folgendes Bild: von Anfang Dezember bis zum Weihnachtsfest führt Mariah Carey die Charts an, Anfang Jänner (Wertungszeitraum um die Weihnachtsfeiertage herum) übernehmen Wham! kurz die Führung. Durch die jährliche Popularität sammelte „All I Want For Christmas Is You“ bereits 13 Nummer-1-Wochen, „Last Christmas“ war bisher „nur“ 2mal an der Chartspitze – Tendenz bei beiden Songs stark steigend!
Innerhalb von wenigen Wochen können Wham! mit ihrem Weihnachts-Evergreen rund 8 Mio. Euro einspielen. Seit dem Release in den 1980er Jahren brachte der Song über 300 Mio. Euro ein. Mariah Careys Klassiker generiert sogar rund 15 Mio. Euro pro Weihnachtssaison. Was macht diese besonderen Songs so erfolgreich? Hier sind 5 Erklärungsansätze:
1. Herstellung einer Atmosphäre
Es ist DIE besondere Zeit im Jahr. Wir erleben Entschleunigung, Harmonie und Zusammenhalt – jedenfalls außerhalb der Einkaufszentren und hochfrequentierten Weihnachtsmärkte! Nicht zu leugnen, ist die magische Wirkung der Weihnachtssongs auf viele Leute. Egal ob im Geschäft, beim Glühweinstand oder am Weihnachtsmarkt – Niemand kann dort den Christmassongs entkommen – egal ob man will oder nicht.
Musik kann Emotionen aktivieren und Erinnerungen wecken: So verbindet man mit „Last Christmas“ beispielsweise das gemütliche Zusammensitzen mit seinen Liebsten oder auch „das tolle Geschenk, dass mir der Papa vor 20 Jahren gekauft hat.“ Auch wenn sich ein großer Teil weigert, diese Musik zu hören – Aber ein genauso großer Anteil liebt die Weihnachtslieder in der Zeit bis zum 24.12. und gibt dementsprechend auch Geld für sie aus bzw. streamt sie rauf und runter.
2. Exklusivität
Weihnachtslieder im Sommer hören? Für die meisten wohl ein No-Go! Diese zeitliche Begrenzung auf rund 7 Wochen verschafft den Songs eine gewisse Exklusivität.
Diese Vorfreude auf die Christmassongs verändert auch den Blick auf diese. Schon Anfang Oktober denkt man glücklich an die (teilweise) besinnliche Zeit im Jahr – und auf Mariah Carey! Oder etwas nicht?
3. Kultstatus
Ich spreche aus Erfahrung, wenn ich sage, dass Jahrzehnte alte Musikklassiker etwas in einem auslösen. Sie sorgen für nostalgische Gefühle oder versetzen in frühere Zeiten. Für mich verkörpern sie auf jeden Fall Stil und Kult – wie zum Beispiel „Bohemian Rhapsody“ von Queen. Viele Weihnachtslieder sind eben auch solche Perlen der Musikgeschichte. Anders als in den restlichen 10,5 Monaten laufen nicht nur aktuelle Hits, sondern teilweise 80 Jahre alte Klassiker in den Playlisten der Radiostationen oder Geschäfte.
Mit Frank Sinatra („Jingle Bells“) und Bing Crosby („White Christmas“) gibt es 2 Künstler, die Weihnachtslieder aus den 40er Jahren liefern. Brenda Lee („Rockin‘ Around The Christmas Tree“) und Dean Martin („Let It Snow! Let It Snow! Let It Snow!“) bringen uns die 50er Jahre näher. Ein Großteil der Weihnachtslieder stammt aus den 1980er Jahren: KünstlerInnen, wie Band Aid, Bryan Adams, Queen, Wham!, Chris Rea oder Shakin‘ Stevens haben schon vor 40 Jahren die magische Wirkung ihrer Hits vorausgeahnt. PS: Mariah Careys „All I Want For Christmas Is You“ wurde „erst“ in den 90er Jahren produziert.
4. Hochblüte der Streaming-Dienste
Neben diesen drei gefühlsbetonten Gründen lasst sich der Hype um die Weihnachtssongs auch mit veränderten Chartregelungen begründen. Seit über 5 Jahren zählen neben Verkäufen von Single-CDs und Downloads auch Musikstreamings (z.B. über Spotify, Apple Music oder YouTube) zu den österreichischen Charts dazu. Das Streamen eines Liedes entspricht 1/10 eines Verkaufs oder Downloads, d.h. ein Lied, das 10mal über Spotify angehört wird, zählt gleich viel wie ein kostenpflichtiger Download eines einzelnen Liedes.
Der Anteil von Streaming in den Charts beträgt über 80 %. Die Charts in Österreich setzten sich zu 4 von 5 Teilen aus Streaming-Zahlen zusammen. Während Anfang der 2000er Jahre eine Single (ein einzelner Song) ausschließlich als CD gekauft werden und nur so in den Charts gewertet werden konnte, sind heutzutage kaum noch einzelne Songs als CD kaufbar. Zu beachten ist, dass bei einem Kauf eines Albums NICHT die einzelnen Singles berücksichtigt werden. Dass „Last Christmas“ Anfang der 2000er nicht in den Charts erschienen ist, verwundert niemanden. Die wenigsten würden wohl für eine einzelne Weihnachts-Single Geld ausgeben. Mit der Möglichkeit, Songs on demand (Musik, die ich will, wo ich will, wann ich will) zu streamen, hat sich eine große Chance für die Weihnachtssongs aufgetan, die bei Weihnachtsmärkten, Glühweinständen, Weihnachtsfeiern und natürlich auch zuhause gespielt und somit in den Charts gepusht werden.
5. Airplay im Radio
Nicht zuletzt leisten auch die heimischen Radiostationen einen großen Beitrag für die Popularität und den Erfolg von Wham!, Mariah Carey und anderen. Mit dem Beginn der Adventzeit finden mehr und mehr Christmassongs Einzug in das Radioprogramm und werden bis nach Weihnachten rauf und runter gespielt – ob wir es wollen oder nicht. Insbesondere um den 24.12. finden auf vielen Radiostationen zahlreiche Christmas-Spezialsendungen statt (z.B. das Ö3-Weihnachtswunder).
Die Weihnachtslieder sind für viele ein wahrer Segen, für andere eher ein schlimmer Fluch. Egal zu welcher Gruppe man sich zählt, rund 4 Wochen lang müssen wir uns noch auf ihre Omnipräsenz einstellen – bis sie für 10,5 Monate wieder komplett verschwinden und das ganze Prozedere im nächsten November wieder von vorne losgeht.
Nachdem nun ausführlich diskutiert wurde, warum wir Weihnachtssongs so abfeiern, werden im nächsten Beitrag die erfolgreichsten Weihnachtssongs in der Geschichte der österreichischen Charts gekürt. Schöne Weihnachtszeit!

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