Traumberuf Journalismus? Schaut man sich eine Statistik über die ansehnlichsten Berufe an, entdeckt man „JournalistIn“ mit 31 % in der unteren Hälfte der Auflistung, was für einen schlechten Ruf des Berufsstandes spricht. Die Gründe dafür sind vielfältig und reichen von der Verbreitung von alternativen Medien über die Krise des Journalismus in Zeiten von Corona und Fake News. Trotzdem sind Studiengänge des Journalismus weiterhin sehr umkämpft. Welche Fähigkeiten muss ein/e JournalistIn eigentlich mitbringen? Und welche erwirbt man im Zuge des Studiums bzw. im Job?
Handwerk oder Haltung – das ist hier die Frage
Um für die Arbeit als JournalistIn gewappnet zu sein, darf die Entscheidung niemals zwischen Handwerk oder Haltung liegen. Beide Aufgabensäulen zusammen stellen das Fundament für die Eignung als JournalistIn dar.
Dies lässt sich gut anhand eines Beispiels begründen. Maria hat ihr Studium „Journalismus & PR“ an der FH Joanneum mit Auszeichnung bestanden. Die 25-Jährige sammelte durch ihr Praktikum bei einer Tageszeitung bereits viel Erfahrung und beherrscht das A bis Z des Journalismus im Schlaf. Sie weiß, wie man recherchiert und gute Storys schreibt. Klingt doch nach einer Journalistin aus dem Bilderbuch! Was hierbei jedoch außer Acht gelassen wurde, ist Marias fehlende berufliche Haltung. Für eine gute Geschichte scheut die Absolventin nicht davor zurück, Persönlichkeitsrechte zu verletzen. Sie verschafft sich nachts heimlich unerlaubten Zutritt zur Wohnung einer Verdächtigen in einem Korruptionsprozess und macht Fotos für eine Story. „Warum denn nicht?“, denkt sich die 25-Jährige. „Das interessiert doch die LeserInnen“, so die Sichtweise der angehenden Journalistin.
Dieses – zugegeben extreme – Beispiel verdeutlicht, dass gute journalistische Grundkompetenzen nicht alles sind und bei einer fehlenden Haltung nicht ausreichen – und umgekehrt auch: eine berufliche Haltung allein macht eine/n JournalistIn ohne fachbezogene Kompetenzen auch nicht zu einer guten Arbeitskraft. Schließlich muss beides stimmen: Handwerk und Haltung.
In den nachfolgenden Absätzen werden die notwendigen Fähigkeiten und Wissensgebiete für die Ausübung eines journalistischen Jobs genauer beleuchtet – beginnend mit der Säule des Handwerks.
Journalistisches Handwerk
Themenfindung – Recherche – Selektieren von Inhalten: So lässt sich der wohl wichtigste Fähigkeiten-Bündel des journalistischen Handwerks gut beschreiben. Wie schon in Teil 1 beschrieben, ist der Weg zu einem fertigen Artikel lang. Am Anfang steht die Themensuche, an die eine gründliche Recherche in Datenbanken, durch Augenzeugen, Pressemitteilungen oder anderen Quellen anschließt. Die gesammelten Informationen werden anschließend sortiert, gefiltert und zusammengestellt.
Darstellung von Inhalten: In Printmedien (Zeitungen oder Zeitschriften) werden die gesammelten Informationen in Form von Texten publiziert. So entsteht beispielsweise eine Kurznachricht über einen Autounfall oder eine ausführliche Reportage über die Arbeitsbedingungen in einer chinesischen Bekleidungsfabrik. Inhalte können jedoch auch in anderer Form veröffentlicht werden. Als Journalist im Radiobereich vermittelt man Nachrichten auditiv – also in akustischer Form. Neben dem Wissen, wie man den Bericht aufbaut, kommen nun auch kommunikative Kompetenzen und der richtige Einsatz der Stimme ins Spiel. Egal ob Text, Bilder, Grafiken, Audios oder Videos – um als JournalistIn professionell arbeiten zu können, sind Kompetenzen in der Erstellung und Bearbeitung dieser Elemente notwendig.
Storytelling: Seitdem es die Menschheit gibt, werden Geschichten erzählt. Fakten in Form von Storys zu vermitteln, hat einen immensen Mehrwert: Informationen können durch Erzählungen um 22mal besser aufgenommen werden als durch bloße Fakten. Durch die zunehmende Verbreitung der Online-Medien bilden sich ständige neue Möglichkeiten heraus, eine Geschichte spannend zu erzählen – zum Beispiel durch den Einsatz von VR-Brillen, die ein Gefühl vermitteln, selbst ein Teil der Geschichte zu sein. Spannende Geschichten zu erzählen, zählt zu den notwendigen Fähigkeiten als JournalistIn. Auf das komplexe Themengebiet „Storytelling“ komme ich in späteren Teilen noch zurück.
Wissen: Ein solides Wissen über Abläufe im journalistischen Alltag, Trends und die Funktionen im Journalismus sind gleich wichtig wie ein themenbezogenes Wissen – also zu wissen, worüber man schreibt. Ist man als Redakteur in Ressort „Politik“ tätig, ist ein politisches Grundwissen wohl nicht verkehrt. Ein Radiomoderator (auch eine journalistische Tätigkeit), der Michael Jackson, Madonna und die Rolling Stones nicht kennt, wird in seinem Job auch nicht glücklich werden. PS: Ein solides Ausmaß an Allgemeinbildung kann auch nicht schaden.
Sprachliche Kompetenzen: Journalistisch tätig sein bedeutet, Informationen zu vermitteln – durch Schrift oder Sprache. Insbesondere bei auditiven Medien, wie Radio oder TV, ist eine gute sprachliche Ausdrucksfähigkeit notwendig. Schließlich geht es bei den meisten Beiträgen darum, einen komplexen Sachverhalt sowie die Aussagen von Experten so darzustellen, dass der Bericht für die Zielgruppe des Mediums verständlich ist.
Technische Kompetenzen: Diese umfassen u.a. den Umgang mit Textverarbeitungs- und Redaktionssystemen, die korrekte Nutzung der Radio- und Fernsehtechnik sowie ein solides Basiswissen über Foto-, Video- und Audiobearbeitungsprogramme.
Journalistische Haltung
Medienethik: Diese Subdisziplin nimmt das moralische Verhalten von Medien in den Blick. Der Österreichische Presserat hat Grundsätze für die publizistische Arbeit – den sogenannten Ehrenkodex für die österreichische Presse – aufgestellt. Dieser beinhaltet Regeln für die tägliche Arbeit der Journalisten, die die Wahrung der journalistischen Berufsethik sicherstellen. Er sichert u.a. den Persönlichkeitsschutz und die Intimsphäre von Personen in Berichten. So ist es Medien nicht erlaubt, Fotos von Unfallopfern zu zeigen oder Verdächtige vorzuverurteilen.
Medienrecht: Eng verbunden mit der Medienethik ist auch das Medienrecht, das u.a. Persönlichkeitsrechte von Personen in Berichten oder Urheberrechte von Musikschaffenden regelt und medienbezogene Straftaten, wie Verleumdung, Beleidigung, Verhetzung oder Hausfriedensbruch sanktioniert.
Soziale Kompetenzen: Wer als JournalistIn arbeiten will, muss eine Vielzahl von sogenannten „social skills“ mitbringen: Selbstbewusstsein, Teamfähigkeit, Kommunikationskompetenz, Reflexionskompetenz, Verantwortungsbewusstsein, Neugierde, Ehrlichkeit, Rückgrat, Hartnäckigkeit, Empathie und Kritikfähigkeit.
Ist der Job für mich geeignet?
Diese Fragen kann ad hoc nicht beantwortet werden. Vielmehr ist es – wie bei der Suche nach der Eignung bei anderen Jobs – wichtig, den Arbeitsalltag kennenzulernen. Viele Medien bieten Praktika an, bei denen man den Job für sich entdeckt und manchmal auch lieben lernt.
In der nächsten Ausgabe gebe ich einen Überblick über aktuelle Trends im Journalismus – wie zum Beispiel der Social-Media-Journalismus, der die Arbeitsabläufe revolutioniert.

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