Bericht. Nach 53 Jahren sind die Beatles wieder auf Platz 1 der österreichischen Singlecharts – ein halbes Jahrhundert nach ihrer Auflösung! Obwohl nur noch 2 Bandmitglieder leben, spielen alle 4 Beatles am neuen Song mit – ermöglicht durch KI. Der Beitrag arbeitet die Relevanz der Künstlichen Intelligenz für sämtliche Lebensbereiche (insbesondere die Musikindustrie) heraus und gibt einen Überblick über Songs, die automatisiert geschrieben und produziert wurden.
2023 – ein ganz normales Jahr mit den Beatles auf Platz 1
Dass die britische Kultband im Jahr 2023 auf Platz 1 in Großbritannien, Deutschland und Österreich sein wird, hätte vor einem Monat wohl niemand gedacht. In den 1960er Jahren stürmten über 20 Singles der Beatles die österreichischen Charts – und das innerhalb von nur 5 Jahren. 8 Singles erreichten die Nummer 1. Der letzte Song der Briten an der österreichischen Chartspitze war „Let It Be“ 1970. Im gleichen Jahr gaben sie ihre Auflösung bekannt und waren von da an mit Soloprojekten beschäftigt.
Im Juni dieses Jahr kündigte Paul McCartney an: „Bis zum Jahresende wird ein neuer Beatles-Song erscheinen!“ Mitte November: der angekündigte Song „Now And Then“ erreicht die Spitze der österreichischen Singlecharts! Somit kehren die Beatles nach 53 Jahren auf den Charts-Thron zurück. Das Besondere an dem Musikstück: Die 2 noch lebenden Bandmitglieder Paul McCartney und Ringo Starr nahmen diesen Song ohne die Präsenz der verstorbenen Mitglieder John Lennon und George Harrison auf und dennoch sind die beiden musikalisch beteiligt.
Möglich wurde das Werk der Beatles durch den Einsatz von KI. Viele Jahre nach der Ermordung von John Lennon händigte dessen Witwe Yoko Ono den 3 Ex-Mitgliedern 1994 eine Kassette mit Aufnahmen von diesem aus. Diese wollten Lennons Werk vollenden, scheiterten jedoch an den eingeschränkten technischen Möglichkeiten, dessen Stimme sauber von den Klaviertönen im Hintergrund zu extrahieren. Peter Jackson, Produzent von „Herr der Ringe“ und einer Beatles-Doku, entwickelte mit seinem Team eine Software mit Künstlicher Intelligenz, die in der Lage ist, Stimmen und Instrumente voneinander zu trennen. Diese Innovation legte den Meilenstein für das legendäre Comeback der Beatles.
Universeller Einsatz von KI
Egal ob als Tool für die Gesichtserkennung am Smartphone, als Chat-Bot im Onlinehandel, in der Medizin und Pflege oder für die Sicherheit im Straßenverkehr – Künstliche Intelligenz ist eine Technologie, die ihren Weg in unser Leben schon längst gefunden hat – mit all ihren Chancen und Risiken.
Ein anschauliches Beispiel der Allgegenwertigkeit der Technologie ist der Chat-Bot „ChatGPT“ von OpenAI. Dieser ist in der Lage, mittels KI-Technologie Antworten auf Fragen aller Art zu liefern. Zahlreiche Einsätze erhielt der Bot in diesem Jahr im schulischen Kontext. Hausaufgaben und sogar Tests wurden von ChatGPT durchgeführt, was zu großer Aufregung und zu Diskussionen über einen verantwortungsvollen Umgang mit KI führte.
Auch für den Journalismus spielt KI eine große Rolle. Berichte, wie Ergebnisse von Fußballspielen, können automatisiert verfasst werden. Quakebots schreiben auf KI-Basis von selbst Meldungen über Erdbeben. Zudem ist Künstliche Intelligenz in der Lage, Beiträge zu kürzen, Texte zu korrigieren, Daten und Inhalte zu analysieren, Empfehlungen zu geben und Vorhersagen zu machen – um einen Bruchteil der zahlreichen Einsatzmöglichkeiten der neuartigen Technologie für den Journalismus aufzuzählen.
Einsatz von KI in der Musikindustrie
KI wird in den nächsten Jahren wohl zu einem wesentlichen Tool zur Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung im Musikbusiness heranwachsen, was zu einer grundlegenden Veränderung der Aufgabenbereiche (Lieder schreiben, komponieren, produzieren) führen wird.
Bereits heute sind die Einsatzmöglichkeiten der KI in diesem Bereich vielzählig:
- Bearbeitung und Korrektur von Stimmen
- Analyse von Audiomaterial
- Erzeugung von Sounds und Instrumenten
- Songwriting und Komposition
- Song-Mixing und -Remixing
- Scriptwriting für Musikvideos
Beispiele für die musikalische Nutzung von KI
1) Für Diskussionen sorgte der deutsche Sänger Nico Santos, der ChatGPT Regie zum Musikvideo von „Number 1“ führen lies. Santos erklärte im Interview das Vorgehen wie folgt:
„Wir haben das wirklich eingegeben: „Hey liebe KI, bitte schreib‘ ein Drehbuch für einen Song namens ‚Number 1‘ mit diesem Text für den Künstler Nico Santos. Der Song ist ein bisschen up tempo mit melancholischen Lyrics. (…) Und dann kam ein ellenlanger Text. Wir mussten die KI bitten, es mehrmals einzukürzen.„
Die Technologie gab genaue Anweisungen für die Videoproduktion: Drehort, Spezialeffekte, Bewegungen der TänzerInnen, Kameraführung, Platzierung der Lichter usw. Nico Santos schätzt zwar die Arbeitserleichterung durch die KI, sieht die Umsetzung aber ein wenig kritisch und prangert die fehlende Storyline und die Zusammenhangslosigkeit des Videos an.
Hier geht’s zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=rFKAgRAwmek
2) Unfreiwillig wurde der kanadische Rapper Drake zum Ziel einer KI-Technologie. Im Frühling erstellte der TikToker „Ghostwriter977“ auf Basis Künstlicher Intelligenz einen gemeinsamen Song mit The Weeknd. Das Stück erzielte in kurzer Zeit über 15 Mio. Views und wurde aufgrund seiner großen Authentizität erst nach Stunden als KI-generierter Song erkannt und gelöscht.
KI – Fluch oder Segen?
KI hat enormes Potential für die Effizienzsteigerung in sämtlichen Lebensbereichen. Insbesondere kann die Technologie die Musikindustrie enorm bereichern. Dennoch ist die Nutzung von Künstlicher Intelligenz stets mit Vorsicht zu betrachten. Immerhin kann die KI enormen Schaden anrichten – sei es durch die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, durch den Ersatz menschlicher Arbeitsleistung oder im Worst Case durch ihr großes Entartungspotential.

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