Dem Journalismus kommen eine Vielzahl von Aufgaben zu, die er zu erfüllen hat. Im zweiten Teil der Themenreihe werde ich die vier Funktionen des Journalismus differenzieren und mit praktischen Beispielen anreichern.
Informationsfunktion
Der Journalismus ist dafür zuständig, die Gesellschaft mit richtigen und unabhängigen Informationen zu versorgen – oder anders ausgedrückt: neue, faktische und relevante Infos vermitteln. Wir haben in der ersten Ausgabe bereits über dieses Thema gesprochen 😉
Diese Themenbereiche des Journalismus stammen zu einem großen Teil aus zwei riesigen Ressorts. Das wohl größte und wichtigste Ressort des Journalismus ist die Politik. Daneben steht die Wirtschaft als zweiwichtigster Bereich. Wenn wir eine Tageszeitung öffnen oder die Fernsehnachrichten einschalten, werden wir vorwiegend über Beschlüsse der Nationalratssitzung, Forderungen einzelner Parteien, Skandale von PolitikerInnen oder über die Weltwirtschaft informiert.
Doch andere Ressorts dürfen keinesfalls vernachlässigt werden. So wird im Zeitgeschehen – auch Chronik genannt – über aktuelle Geschehnisse oder Unglücke (z.B. Unfälle, Gerichtsverhandlungen) in Österreich berichtet. In der Kultur-Ecke liest man über neue Musik sowie Kunst- und Kulturereignisse. Auf der Sport-Seite finden Fußball- und Ski-Liebhaber Ergebnisse und Infos zu Persönlichkeiten. Jede Zeitung hat andere Schwerpunkte. So zählen je nach ihrer Ausrichtung Wissenschaft, Reisen, Literatur, Mode und auch Bildung zu den weiteren Ressorts.
Der Journalismus hat eine Gatekeeper-Funktion. Er bewertet die Themenbereiche nach ihre Wichtigkeit für die Gesellschaft und wählt dabei die relevantesten aus, die es schließlich in die Zeitung oder in die TV-/Radio-Nachrichten schaffen. Besonders relevant sind dabei neben der Innenpolitik vor allem Kriege und Katastrophen – trauriges Beispiel: der Angriff der Hamas auf Israel.
Bildungsfunktion
Journalismus bildet. Er leistet wertvolle Aufklärungsarbeit, gibt Orientierung und zeigt Varianten auf – mit dem großen Ziel, die Demokratie sicherzustellen. Diese abstrakte Beschreibung lässt sich anhand eines Beispiels gut veranschaulichen.
Nächstes Jahr finden die nächsten Nationalratswahlen in Österreich statt. Wieder einmal die eine Frage: Welche Partei unterstütze ich? Der Journalismus unterstützt dabei bei der Entscheidungsfindung. Er stellt zeitnah die Programme der einzelnen Parteien kurz vor – ohne diese zu bewerten. Dabei werden die mehrere 100 Seiten langen Programme durchgelesen, die relevantesten Informationen ausgewählt und diese zielgruppenorientiert sowie leicht verständlich aufbereitet. So ist es nicht mehr notwendig, sich vor einer Wahl 3.000 Seiten Politikkram durchzulesen, sondern sich die Infos von journalistischen Medien zu holen, um letztendlich eine Entscheidung zu treffen.
Der Journalismus erfüllt diesen Bildungsauftrag jedoch nicht alleine. Um zu einem mündigen Bürger bzw. zu einer mündigen Bürgerin zu werden, ist politische Bildung bereits im schulischen Setting essenziell. Der Journalismus greift dem Schulsystem zusätzlich unter die Arme und bereitet u.a. Berichte und Dokumentationen über politisches Basiswissen auf. Nur wer über die Bedeutung von Wahlen und über das Wahlsystem im Lande Bescheid weiß, kann mit gutem Gewissen zur Wahl gehen.
Kritik- und Kontrollfunktion
Eine weitere Aufgabe des Journalismus ist es, den „Großen und Mächtigen“ auf die Finger zu schauen und dabei Missstände, Korruption und Willkür im Amt öffentlich aufzuzeigen und zu kritisieren. Durch diese wichtige Funktion wird der Journalismus neben der Legislative, Exekutive und Judikative häufig als die „vierte Gewalt“ eines Staates bezeichnet.
Jedes Jahr finden im August und September die sogenannten „Sommergespräche“ statt. In dieser Polit-Sendung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stellen die SpitzenkandidatInnen der einzelnen Parteien im Interview die Grundpfeiler ihrer aktuellen Parteiprogramme vor. Nehammer, Babler, Kickl und Co. gaben dieses Jahr Einblicke in ihre Pläne für das kommende Politjahr und für die Nationalratswahl 2024. In der darauffolgenden Nachrichtensendung wurden die Aussagen der interviewten PolitikerInnen von einem Politikexperten kritisch bewertet und eingeordnet.
Was in Österreich ohne gravierende Folgen möglich ist, ist in anderen Ländern undenkbar. In Russland ist eine objektive Berichterstattung ohne Furcht vor Konsequenzen (z.B. Verhaftung, Verfolgung) kaum möglich. In welchem Ausmaß in einem Land frei berichtet werden kann, zeigt der Rang der Pressefreiheit, welcher jedes Jahr von „Reporter ohne Grenzen“ erstellt wird. Österreich war jahrelang in den Top 10 vertreten, ist jedoch auf Platz 29 zurückgefallen, was de facto bedeutet, dass eine freie Berichterstattung nicht mehr in dem Ausmaß möglich ist, wie noch vor einigen Jahren.
Unterhaltungsfunktion
Nicht zuletzt hat der Journalismus eine vierte wichtige Aufgabe: er soll sein Publikum unterhalten. Im Printsektor wird Unterhaltung v.a. im Boulevardjournalismus großgeschrieben. In heimischen Boulevardzeitungen, wie der Kronenzeitung, Heute oder Österreich, werden Inhalte emotional aufbereitet – also primär die Gefühle der LeserInnen angesprochen. Private Einblicke in das Leben österreichischer PolitikerInnen oder Forderungen nach einem neuen Tierschutzgesetz sprechen weniger die Vernunft, sondern primär die Emotionen der LeserInnen an und unterhalten diese. Im Qualitätsjournalismus hingegen werden Gefühle der Vernunft untergeordnet. Die Unterhaltung spielt ebenfalls eine kleinere Rolle, ist aber in einigen Rubriken gut integriert (z.B. Kultur, Reisen, Mode).
Im TV- und Radiobereich finden sich zahlreiche Unterhaltungsshows und -formate wieder. Man denke einfach an die zahlreichen Quizshows im Fernsehen oder Musikformate im Radio. Die Unterhaltung der ZuseherInnen und ZuhörerInnen spielt sich auch im Infotainment-Bereich ab. Diese Mischform aus INFOrmation und EnterTAINMENT ist beispielweise im deutschen Wissenschaftsmagazin „Galileo“ zu finden, das nicht nur informiert, sondern durch die visuell und auditiv gut aufbereiteten Beiträge auch bestens unterhält.
Die Funktionen gelten selbstverständlich auch für den Musikjournalismus. Die Teildisziplin informiert über Neuerscheinungen und Trends. Sie erfüllt ihren Bildungsauftrag und vermittelt dabei Musiktheorie und -wissen. Musikkritik nimmt umstrittene Werke sowie Genres ins Visier und prangert diese an. Auf den unterhaltsamen Charakter des Musikjournalismus muss nicht weiter eingegangen werden 😉
Die vier Grundfunktionen des Journalismus sind die Voraussetzung für eine gut funktionierende Demokratie. Damit hat der Journalismus unbestritten seine Daseinsberechtigung in unserem Lande verdient.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist, eine journalistische Karriere anzustreben, darf den nächsten Artikel keinesfalls verpassen. Dieser führt in die persönlichen Voraussetzungen ein, die man für die Eignung in diesem Bereich mitbringen sollte.

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