Journalismus ist ein breitgefächerter Begriff. Er umfasst viel mehr als nur das Verfassen von Beiträgen für Print, TV, Radio und Online-Medien. Doch was gehört zu dieser Disziplin dazu? In Teil 1 gehe ich auf die Basics des Journalismus ein – sehr anschaulich und verständlich dargestellt – Versprochen 😉
Mehr als nur Artikel schreiben und vor der Kamera reden
Für eine Auseinandersetzung mit dem Journalismus-Begriff ist es wichtig, zuerst eine Definition aus der Wissenschaft heranzuziehen:
„Journalismus recherchiert, selektiert und präsentiert Themen, die neu, faktisch und relevant sind. Er stellt Öffentlichkeit her, indem er die Gesellschaft beobachtet, die Beobachtung über periodische Medien einem Massenpublikum zur Verfügung stellt […].“ (Klaus Meier, deutscher Journalist)
In diesem Beitrag gehe ich auf den dick markierten Teil der Definition ein. Die weiteren Ausführungen sind Bestandteile des zweiten Teils der Themenreihe.
Von der Themenfindung bis zur Präsentation
Am Anfang der journalistischen Arbeit steht also nicht das Schreiben des Beitrags. Die Arbeit beginnt schon einige Schritte zuvor – bei der Themenfindung. So wird beispielsweise ein aktuelles Thema aufgegriffen – wie die Inflation in Österreich – und davon ausgehend recherchiert oder ein völlig neues Themengebiet geöffnet oder wieder geöffnet. Ich könnte zum Beispiel den Jahrestag eines bestimmten Ereignisses als Anlass nehmen, dieses wieder aufzurollen und darüber zu berichten – z.B. einen Artikel über die Modemarke Lacoste am heutigen 27. Todestags des Gründers. Wie man sieht, gibt es zahlreiche Anlässe für einen Artikel.
Nachdem das Thema feststeht, folgt der Schritt der Themenrecherche. Bei dieser Phase werden die Infos gesammelt, die für den Artikel benötigt werden. Hierbei steht eine Vielzahl von Quellen zur Verfügung: Datenbanken, Statistiken, Bibliotheken, Presseagenturen, Aussagen von Personen in Interviews usw.
Die Informationen werden gesammelt und ihr Wahrheitsgrad überprüft. Dann werden die wichtigsten Fakten selektiert, d.h. aus dem Pool an gesammelten Informationen werden die relevantesten ausgewählt.
Erst jetzt beginnt die klassische Arbeit eines Journalisten bzw. einer Journalistin: das Schreiben als Präsentation der Infos. Egal ob durch eine Online-Reportage, ein Radio-Feature oder einen Bericht in der Tageszeitung – es gibt eine unüberschaubare Vielfalt an Textgattungen, die ich euch in weiteren Beiträgen genauer erklären werde. Die Regel lautet: zuerst die Info, dann die Textsorte. Das bedeutet, die Textsorte richtet sich nach den Informationen. Eine pure Faktenvermittlung über die aktuelle Wirtschaftslage des Landes wird eher über klassische Nachrichten oder Berichte erfolgen, während ein gesellschaftlich-polarisierendes Thema, wie die Aktionen der Klimakleber, prädestiniert für eine Reportage ist.
Wie soll das Thema denn nun sein?
Neu – faktisch – relevant: so soll das journalistische Thema laut Meier sein.
Auch wenn der 23.947. Artikel über die gesundheitlichen Folgen einer Corona-Erkrankungen dasselbe Thema umreißt wie die 23.946 Artikel zuvor – Es sollten neue Erkenntnisse aus dem Beitrag gezogen werden. Ansonsten wäre der Beitrag wohl redundant.
Journalistische Berichterstattung ist prinzipiell objektiv, also frei von eigener Meinung. In der Praxis lässt sich dies schwer bis nicht umsetzen – zumal einige Textgattungen, wie die Reportage, subjektive Schilderungen zulassen. Nichtsdestotrotz ist eine strikte Orientierung an den Fakten, also an Tatsachen, wichtig. Wie ich zu den aktuellen Beschlüssen unserer Bundesregierung stehe, hat in einem objektiven Bericht nichts zu suchen.
Relevanz meint, dass die vermittelten Informationen wichtig für die Gesellschaft (z.B. für alle ÖsterreicherInnen: Ergebnisse der Nationalratswahl) oder für einen Teil der Gesellschaft (z.B. für alle SteirerInnen: Neustrukturierung der Landesregierung). Eine Bericht über die Geschehnisse in meinem Wohnhaus hingegen interessieren wohl nur wenige. Sie sind für die Gesellschaft nicht relevant.
Wie man sieht, ist Journalismus sehr viel mehr als nur Schreibarbeit. So nehmen die Vorarbeiten viel mehr Zeit in Anspruch als das Verfassen des Artikels – welcher im Idealfall neue, faktische und relevante Informationen vermittelt.
Die Reise geht bald weiter – mit Begriffen wie „Öffentlichkeit“ und „Massenmedien“. Seid gespannt 😀

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