Wie ein Genre nicht nur die heimische Musikszene zu Grabe trägt
Herr und Frau Österreich beweisen seit vielen Jahren, was sie von Musik halten – gar nichts. Wo sind die guten alten Zeiten, in denen Pink Floyd oder die Stones unsere Helden waren? Da kann ich manch nostalgischen Träumer verstehen, der sentimental vor sich grummelt: „Früher war alles besser!“ Statt Musik findet man heute in den Charts Rap – oder salopp formuliert: Müll. Von der Gefahr dieser Musik für die Entwicklung unserer Generation Z mal abgesehen.
100 Titel in den österreichischen Charts! Was Raf Camora laut der Chartplattform austriancharts.at kürzlich erreicht hat, ist ein neuer Tiefpunkt der heutigen Musikszene – eine Schande für unser Land, aber auch ein Spiegel unserer Gesellschaft. Dass die Playlists großer Streamingdienste voll mit diesem Lärm ist, ist eine Sache. Aber beim negativen Einfluss dieser Musikrichtung auf unsere Jugend hört sich der Spaß auf.
In der Pubertät bildet sich die Identität von Teenagern aus. In dieser Lebensphase sind externe Einflüsse sehr prägend für die Entwicklung junger Menschen. Nicht leugnen lässt sich, dass Deutschrap die Musikrichtung Nummer 1 für die Generation Z ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Textpassagen wie „Die kleine Schl**pe ist versaut“ oder „Ich fülle seinen Kopf mit Blei per Kalash wie im Columbine-Massaker“ Heranwachsende positiv entwickeln lässt. Die gewaltverherrlichenden und frauenverachtenden Inhalte nicht nur Gift für die Identitätsbildung der Generation Z, sondern für unsere gesamte Gesellschaft.
„Körperverletzung, Erpressung, Diebstahl, Hehlerei, Drogenhandel“ – Nur ein kurzer Auszug der Straftatenliste der Deutschrap-Stars. Wer in der Öffentlichkeit steht, sollte sich seiner Vorbildwirkung bewusst sein. Ein angesehener Star zu sein, setzt ein entsprechendes öffentliches Verhalten voraus. Statt Werte zu vermitteln, animieren diese „Vorbilder“ naive Heranwachsende zu strafbaren Handlungen.
Durch seine Ubiquität wird Deutschrap vermehrt zum Mainstream gezählt und findet in immer mehr Bevölkerungsschichten Zuspruch. Während früher Deutschrap als ein Identifikationsmittel bildungsferner Milieus galt, hören heute auch der angehende Oberarzt und der aufstrebende Jurist diese Musik. Mit der zunehmenden Akzeptanz dieser Musikgattung steigt auch die Akzeptanz ihrer Inhalte. Das Besingen von Gewaltverbrechen wird toleriert – und abgefeiert. Ob es dabei bleibt? Oder folgt dieser Entwicklung ein Anstieg an Gewalttaten?
Der Erfolg dieser Musik scheint ungebrochen. Ich stehe mit meiner Sichtweise allein da, wenn ich sage: „Diese Musik ist Gift für unsere Gesellschaft und Kultur.“ Mein Anliegen ist nicht, meinen Ärger rauszulassen, sondern auch gleichdenkende MusikmacherInnen zu finden. Nur gemeinsam kann man eine Gegenkultur entwickeln und Musik wieder Musik werden lassen.

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